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Raumzeit
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Raumzeit oder Raum-Zeit-Kontinuum bezeichnet die gemeinsame Darstellung des dreidimensionalen Raums und der eindimensionalen Zeit in einer vierdimensionalen mathematischen Struktur. Diese Darstellung wird in der RelativitÀtstheorie benutzt.

Der Mensch erlebt Ort und Zeit als zwei verschiedene Gegebenheiten, unter anderem wegen der mit der Zeit verbundenen KausalitĂ€t (eine Wirkung kann nicht frĂŒher als ihre Ursache eintreten). In der klassischen Physik und grĂ¶ĂŸtenteils in der Technik werden Ort und Zeit als voneinander unabhĂ€ngige GrĂ¶ĂŸen behandelt. Bei Geschwindigkeiten von der GrĂ¶ĂŸenordnung der Lichtgeschwindigkeit zeigt sich jedoch, dass sich Zeit und Ort eines Ereignisses gegenseitig bedingen. Zum Beispiel hĂ€ngt der zeitliche Abstand zweier Ereignisse, wie er von einem bewegten Beobachter festgestellt wird, auch von ihrem rĂ€umlichen Abstand ab. In der speziellen RelativitĂ€tstheorie werden solche ZusammenhĂ€nge deshalb in mathematischen Formen beschrieben, «in denen die Zeitkoordinate genau dieselbe Rolle spielt wie die drei rĂ€umlichen Koordinaten». Das benutzte Koordinatensystem ist ein «vierdimensionales zeitrĂ€umliches Kontinuum», das in KĂŒrze als der Minkowski-Raum bezeichnet wird.cite-ref-1[1]

Im Zusammenhang der klassischen Mechanik ist der Raumzeitbegriff von Penrosecite-ref-2[2] und Arnoldcite-ref-3[3] diskutiert worden.

Contents

‱ Symmetrien
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Raumzeit in der speziellen RelativitÀtstheorie

KausalitÀt und Abstandsbegriff

Auch bei einer Kopplung von Raum und Zeit muss, falls Ereignis A das Ereignis B hervorruft, diese „KausalitĂ€t“ in allen Koordinatensystemen gelten; ein Koordinatensystemwechsel darf die KausalitĂ€t von Ereignissen nicht verĂ€ndern. Die KausalitĂ€t wird mathematisch durch einen Abstandsbegriff definiert. Der Abstand zweier Ereignisse hĂ€ngt von den drei Ortskoordinaten x , y , z {\displaystyle x,y,z} und der Zeitkoordinate t {\displaystyle t} ab. Wegen der Forderung nach der Erhaltung der KausalitĂ€t zweier Ereignisse oder allgemeiner nach der Lorentz-Invarianz mĂŒssen physikalische Modelle in mathematischen RĂ€umen beschrieben werden, in denen Zeit und Raum in bestimmter Weise gekoppelt sind.

Es lĂ€sst sich ein absolut (absolut im Sinne der Invarianz gegenĂŒber Koordinatenwechsel) gĂŒltiger Abstandsbegriff, z. B. die sogenannte Eigenzeit oder der „verallgemeinerte Abstand“, fĂŒr Raumzeitpunkte („Ereignisse“) des vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums definieren, auch bei beliebig eng („infinitesimal“) benachbarten Ereignissen. Was davon als rĂ€umlicher und was als zeitlicher Abstand gemessen wird, hĂ€ngt ab vom Bewegungszustand des Beobachters und (im Falle der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie) von der Anwesenheit von Masse bzw. Energie (z. B. in Feldern).

Mathematisch wird die Raumzeit mit Hilfe einer pseudo-riemannschen Mannigfaltigkeit beschrieben, speziell im sogenannten Minkowski-Raum. Im Minkowski-Raum muss zur Berechnung von AbstĂ€nden Δ Δ s {\displaystyle \mathrm {\Delta } s} außer den Ortskoordinaten auch die Zeitkoordinate der Ereignisse berĂŒcksichtigt werden, also c Δ Δ t , Δ Δ x , Δ Δ y , Δ Δ z {\displaystyle c\mathrm {\Delta } t,\mathrm {\Delta } x,\mathrm {\Delta } y,\mathrm {\Delta } z} mit der Lichtgeschwindigkeit c {\displaystyle c} . Die klassische Berechnung von rĂ€umlichen AbstĂ€nden in kartesischen Koordinaten – der quadrierte Abstand ist ( Δ Δ x ) 2 + ( Δ Δ y ) 2 + ( Δ Δ z ) 2 {\displaystyle \textstyle (\mathrm {\Delta } x)^{2}+(\mathrm {\Delta } y)^{2}+(\mathrm {\Delta } z)^{2}} – wird daher modifiziert: Der quadrierte verallgemeinerte Abstand von zwei Ereignissen im Minkowski-Raum ist ( Δ Δ s ) 2 = ( c Δ Δ t ) 2 − − ( Δ Δ x ) 2 − − ( Δ Δ y ) 2 − − ( Δ Δ z ) 2 {\displaystyle \textstyle (\mathrm {\Delta } s)^{2}=(c\mathrm {\Delta } t)^{2}-(\mathrm {\Delta } x)^{2}-(\mathrm {\Delta } y)^{2}-(\mathrm {\Delta } z)^{2}} und wird auch Raumzeit-Metrik oder Raumzeit-Intervall genannt. Die hier benutzten Vorzeichen ( + , − − , − − , − − ) {\displaystyle \textstyle (+,-,-,-)} sind die Signatur der Metrik und teilweise eine Frage der Konvention. Es gibt andere, gleichwertige Signaturen, etwa ( − − , + , + , + ) {\displaystyle \textstyle (-,+,+,+)} , oder weniger gebrĂ€uchliche wie ( i , + , + , + ) {\displaystyle \textstyle (\mathrm {i} ,+,+,+)} , wo i {\displaystyle \mathrm {i} } mit i 2 = − − 1 {\displaystyle \mathrm {i} ^{2}=-1} die imaginĂ€re Einheit der komplexen Zahlen ist.

Minkowski-Raum, Vierervektoren

→

Hauptartikel

:

Minkowski-Raum

In der speziellen RelativitĂ€tstheorie (SRT) werden die dreidimensionalen Raumkoordinaten ( x , y , z ) {\displaystyle (x,y,z)} um eine Zeitkomponente c t {\displaystyle ct} zu einem Vierervektor im Minkowski-Raum M 4 = R 1 , 3 {\displaystyle \mathbb {M} ^{4}=\mathbb {R} ^{1,3}} („Raumzeit“) erweitert, also ( c t , x , y , z ) {\displaystyle (ct,x,y,z)} .

Ein Punkt in der Raumzeit besitzt drei Raumkoordinaten sowie eine Zeitkoordinate und wird als Ereignis oder Weltpunkt bezeichnet.

FĂŒr Ereignisse wird ein invarianter raum-zeitlicher Abstand definiert. Im klassischen euklidischen Raum, einem dreidimensionalen kartesischen Koordinatensystem, bleibt das differentielle rĂ€umliche Abstandsquadrat (euklidische Norm) zweier Punkte lediglich unter Galilei-Transformationen konstant:

d s 2 = d x 2 + d y 2 + d z 2 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}=\mathrm {d} x^{2}+\mathrm {d} y^{2}+\mathrm {d} z^{2}}

In der SRT dagegen wird ein fĂŒr alle Beobachter identischer (verallgemeinerter) Abstand definiert, der auch unter Lorentz-Transformationen konstant (invariant) bleibt (diese Invarianz definiert man durch die Forderung, dass der vierdimensionale Abstand bzw. die Minkowski-Metrik konstant (invariant) unter einer linearen Koordinatentransformation ist, wodurch sich die oben erwĂ€hnte HomogenitĂ€t der Raumzeit ausdrĂŒckt):

d s 2 := η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ d x ÎŒ ÎŒ d x Μ Μ = c 2 d t 2 − − d x 2 − − d y 2 − − d z 2 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}:=\eta _{\mu \nu }\mathrm {d} x^{\mu }\mathrm {d} x^{\nu }=c^{2}\mathrm {d} t^{2}-\mathrm {d} x^{2}-\mathrm {d} y^{2}-\mathrm {d} z^{2}} .

Dies ist die quadrierte Minkowski-Norm, welche die uneigentliche Metrik (Abstandsfunktion) der flachen Raumzeit erzeugt. Sie wird durch das (indefinite) invariante Skalarprodukt auf dem Minkowski-Raum induziert, welches sich als Wirkung des (pseudo)-metrischen Tensors η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ = d i a g ( + 1 , − − 1 , − − 1 , − − 1 ) {\displaystyle \eta _{\mu \nu }=\mathrm {diag} (+1,-1,-1,-1)} definieren lĂ€sst:

x ⋅ ⋅ y = η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ x ÎŒ ÎŒ y Μ Μ {\displaystyle \mathbf {x} \cdot \mathbf {y} =\eta _{\mu \nu }x^{\mu }y^{\nu }} (beachte: Einsteinsche Summenkonvention)

Dieser metrische Tensor wird im physikalischen Sprachgebrauch auch als „Minkowski-Metrik“ oder „flache Metrik“ der Raumzeit bezeichnet, obwohl er im eigentlichen Sinne nicht mit der Metrik an sich zu verwechseln ist. Es handelt sich mathematisch vielmehr um ein Skalarprodukt auf einer pseudoriemannschen Mannigfaltigkeit.

Bei dem Linienelement d s {\displaystyle \mathrm {d} s} handelt es sich bis auf den Faktor 1 / c {\displaystyle 1/c} um die differentielle Eigenzeit:

d τ τ = d s c = d t ⋅ ⋅ 1 − − v 2 c 2 {\displaystyle \mathrm {d} \tau ={\frac {\mathrm {d} s}{c}}=\mathrm {d} t\cdot {\sqrt {1-{\frac {v^{2}}{c^{2}}}}}} .

Diese wird mit einer mitbewegten Uhr gemessen, also im „momentan begleitenden Inertialsystem“, in dem das auf der Weltlinie befindliche Teilchen ruht: ( v ( t ) ≡ ≡ 0 ) {\displaystyle (v(t)\equiv 0)} .

Ein Element (Vektor) der Raumzeit heißt

‱ zeitartig, wenn d s 2 > 0 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}>0} gilt (Raumzeit-Abstand reell). Zwei Ereignisse, fĂŒr die d s 2 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}} positiv ist, sind gegenseitig sichtbar, d. h., sie liegen innerhalb des Lichtkegels.
‱ raumartig, wenn d s 2 < 0 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}<0} gilt (Raumzeit-Abstand imaginĂ€r). Zwei Ereignisse, fĂŒr die d s 2 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}} negativ ist, sind raumzeitlich so weit voneinander entfernt, dass ein Lichtstrahl nicht rechtzeitig von einem zum anderen Ereignis gelangen kann. Da Information entweder ĂŒber Licht oder Materie ĂŒbertragen wird und die Geschwindigkeit von Materie in der RelativitĂ€tstheorie niemals die Lichtgeschwindigkeit erreichen kann (und somit auch nicht ĂŒberschreiten kann), können solche Ereignisse niemals in einer Ursache-Wirkung-Beziehung stehen. Sie könnten nur mit Überlichtgeschwindigkeit wahrgenommen werden, sind also prinzipiell gegenseitig unsichtbar, d. h., sie liegen außerhalb des Lichtkegels.
‱ lichtartig, wenn d s 2 = 0 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}=0} gilt. Licht bewegt sich stets genau mit der Geschwindigkeit c {\displaystyle c} , so dass fĂŒr es in allen Bezugssystemen d s 2 ≡ ≡ 0 {\displaystyle \mathrm {d} s^{2}\equiv 0} gilt (Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, das Ausgangsprinzip der speziellen RelativitĂ€tstheorie).

Die Klassifizierung der Raumzeit-Vektoren (raumartig, lichtartig oder zeitartig) bleibt bei den zulÀssigen Transformationen (Lorentztransformationen) unverÀndert (Invarianz des Lichtkegels).

Praktische Anwendung findet das Rechnen mit Raumzeitvektoren in der Kinematik schneller Teilchen.cite-ref-4[4]

Mathematische Motivation der Minkowski-Metrik

‱ Betrachtet man den D’Alembert-Operator ◻ ◻ {\displaystyle \Box } , bestehend aus der zweiten partiellen Ableitung nach der Zeit und dem Laplace-Operator mit

◻ ◻ = 1 c 2 ∂ ∂ 2 ∂ ∂ t 2 − − ∇ ∇ → → 2 {\displaystyle \Box ={\frac {1}{c^{2}}}{\frac {\partial ^{2}}{\partial t^{2}}}-{\vec {\nabla }}^{2}} ,

so ist zu erkennen, dass man auch abkĂŒrzend

◻ ◻ = ∂ ∂ ÎŒ ÎŒ ∂ ∂ ÎŒ ÎŒ {\displaystyle \Box =\partial _{\mu }\partial ^{\mu }}

schreiben kann, wenn folgende zwei Vierervektoren eingefĂŒhrt werden:

∂ ∂ ÎŒ ÎŒ = ( 1 c ∂ ∂ ∂ ∂ t , ∇ ∇ → → ) {\displaystyle \partial _{\mu }=\left({\frac {1}{c}}{\frac {\partial }{\partial t}},{\vec {\nabla }}\right)}

∂ ∂ ÎŒ ÎŒ = ( 1 c ∂ ∂ ∂ ∂ t , − − ∇ ∇ → → ) {\displaystyle \partial ^{\mu }=\left({\frac {1}{c}}{\frac {\partial }{\partial t}},-{\vec {\nabla }}\right)}

In diesem Fall tritt die Zeit als vierte Dimension auf, die Metrik η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ {\displaystyle \eta _{\mu \nu }} muss also von einer 4 × × 4 {\displaystyle 4\times 4} -Matrix induziert sein.

‱ Da die vier Dimensionen linear unabhĂ€ngig sind, lĂ€sst sich η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ {\displaystyle \eta _{\mu \nu }} auf Diagonalform bringen (Hauptachsentransformation).

( η η Ό Ό Μ Μ ) = ( α α 0 0 0 0 0 α α 1 0 0 0 0 α α 2 0 0 0 0 α α 3 ) {\displaystyle (\eta _{\mu \nu })=\left({\begin{array}{cccc}\alpha _{0}&0&0&0\\0&\alpha _{1}&0&0\\0&0&\alpha _{2}&0\\0&0&0&\alpha _{3}\end{array}}\right)}

‱ Aufgrund der Forderung, dass es keine ausgezeichneten Raumzeit-Koordinaten gibt, können die Diagonalelemente nur den Wert ± ± 1 {\displaystyle \pm 1} besitzen. FĂŒr die Raumkoordinaten wird hier − − 1 {\displaystyle -1} gewĂ€hlt. Dies ist aber eine Konvention, die nicht einheitlich verwendet wird.

( η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ ) = ( ± ± 1 0 0 0 0 ∓ ∓ 1 0 0 0 0 ∓ ∓ 1 0 0 0 0 ∓ ∓ 1 ) {\displaystyle (\eta _{\mu \nu })=\left({\begin{array}{cccc}\pm 1&0&0&0\\0&\mp 1&0&0\\0&0&\mp 1&0\\0&0&0&\mp 1\end{array}}\right)}

‱ Die Zeitkomponente kann nicht dasselbe Vorzeichen haben wie die Raumkomponenten. Hierzu betrachtet man wieder den D’Alembert-Operator ◻ ◻ {\displaystyle \Box } :

◻ ◻ = ∂ ∂ ÎŒ ÎŒ ∂ ∂ ÎŒ ÎŒ = η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ ∂ ∂ ÎŒ ÎŒ ∂ ∂ Μ Μ {\displaystyle \Box =\partial _{\mu }\partial ^{\mu }=\eta _{\mu \nu }\partial ^{\mu }\partial ^{\nu }}

Daraus ergĂ€be sich als homogene Wellengleichung fĂŒr eine Welle ψ ψ {\displaystyle \psi }

( ∇ ∇ → → 2 + 1 c 2 ∂ ∂ 2 ∂ ∂ t 2 ) ψ ψ = 0 {\displaystyle \left({\vec {\nabla }}^{2}+{\frac {1}{c^{2}}}{\frac {\partial ^{2}}{\partial t^{2}}}\right)\psi =0}

Setzt man nun fĂŒr ψ ψ {\displaystyle \psi } eine ebene Welle an, d. h. ψ ψ ( r → → , t ) = A e i ( k → → ⋅ ⋅ r → → − − ω ω t ) {\displaystyle \psi ({\vec {r}},t)=A\,e^{\mathrm {i} ({\vec {k}}\cdot {\vec {r}}-\omega t)}} , so ergĂ€be sich eine komplexe Frequenz, und damit wĂ€re ψ ψ {\displaystyle \psi } exponentiell gedĂ€mpft. In diesem Fall gĂ€be es also keine dauerhaften ebenen Wellen, was im Widerspruch zur Beobachtung steht. Folglich muss die Zeitkomponente ein anderes Vorzeichen haben:

( η η ÎŒ ÎŒ Μ Μ ) = ( 1 0 0 0 0 − − 1 0 0 0 0 − − 1 0 0 0 0 − − 1 ) {\displaystyle (\eta _{\mu \nu })=\left({\begin{array}{cccc}1&0&0&0\\0&-1&0&0\\0&0&-1&0\\0&0&0&-1\end{array}}\right)}

Daraus ergibt sich die korrekte homogene Wellengleichung

( ∇ ∇ → → 2 − − 1 c 2 ∂ ∂ 2 ∂ ∂ t 2 ) ψ ψ = 0 {\displaystyle \left({\vec {\nabla }}^{2}-{\frac {1}{c^{2}}}{\frac {\partial ^{2}}{\partial t^{2}}}\right)\psi =0}

Minkowski-Diagramm

Im Minkowski-Diagramm können die VerhÀltnisse geometrisch dargestellt und analysiert werden. Wegen der komplexen Eigenschaft der Zeitkomponente wird dort die Drehung der Zeitachse mit umgekehrtem Vorzeichen wie die Drehung der Koordinatenachse dargestellt.

Raumzeit in der allgemeinen RelativitÀtstheorie

Nichteuklidische Geometrien

Grundlage zur Beschreibung der Raumzeit in der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie ist die pseudo-riemannsche Geometrie. Die Koordinatenachsen sind hier nichtlinear, was als RaumkrĂŒmmung interpretiert werden kann. FĂŒr die vierdimensionale Raumzeit werden die gleichen mathematischen Hilfsmittel wie zur Beschreibung einer zweidimensionalen KugeloberflĂ€che oder fĂŒr SattelflĂ€chen herangezogen. Als unumstĂ¶ĂŸlich angesehene Aussagen der euklidischen Geometrie, insbesondere das Parallelenaxiom, mĂŒssen in diesen Theorien aufgegeben und durch allgemeinere Beziehungen ersetzt werden. Die kĂŒrzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist hier beispielsweise kein GeradenteilstĂŒck mehr. Einer Geraden in der euklidischen Geometrie entspricht die GeodĂ€te in der nicht-euklidischen Welt; im Falle einer KugeloberflĂ€che sind die GeodĂ€ten die Großkreise. Die Winkelsumme im – aus GeodĂ€tenabschnitten bestehenden – Dreieck ist auch nicht mehr 180 Grad. Im Falle der KugeloberflĂ€che ist sie grĂ¶ĂŸer als 180 Grad, im Falle von SattelflĂ€chen dagegen kleiner.

Raumzeit-KrĂŒmmung

Siehe auch

:

Gravitationswelle

Die KrĂŒmmung von Raum und Zeit wird durch jede Form von Energie und Impuls, wie etwa Masse, Strahlung oder Druck, verursacht. Diese GrĂ¶ĂŸen bilden zusammen den Energie-Impuls-Tensor und gehen in die Einsteingleichungen als Quelle des Gravitationsfeldes ein. Daraus resultiert eine krummlinige Bewegung von krĂ€ftefreien Körpern entlang von GeodĂ€ten. In einem infinitesimalen Raumabschnitt (lokale Karte) gilt stets die flache Metrik der speziellen RelativitĂ€tstheorie. Wird die gekrĂŒmmte Bewegung einer Gravitationsbeschleunigung g {\displaystyle g} zugeschrieben, muss die konstante RaumkrĂŒmmung mit dem Faktor g / c 2 {\displaystyle g/c^{2}} beschrieben werden. Im Modell der gekrĂŒmmten Raumzeit jedoch existiert so etwas wie eine Gravitationskraft gar nicht, an ihre Stelle ist eine fĂŒr alle krĂ€ftefreien Körper in diesem (infinitesimalen) Raumabschnitt gleiche KrĂŒmmung der Weltlinien (Bewegungskurven in der Raumzeit) getreten.

In vielen populĂ€ren Darstellungen der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie wird hĂ€ufig nicht beachtet, dass die dem Gravitationsfeld zugeschriebenen Wirkungen nicht allein durch KrĂŒmmung des dreidimensionalen Raums, sondern erst durch die KrĂŒmmung der vierdimensionalen Raumzeit hervorgerufen werden. Dass stets Raum und Zeit gekrĂŒmmt sein mĂŒssen, ist anschaulich leicht zu verstehen: WĂ€re nur der Raum gekrĂŒmmt, so wĂ€re die Trajektorie eines geworfenen Steines immer dieselbe, egal welche Anfangsgeschwindigkeit der Stein besĂ€ĂŸe, da er stets nur dem gekrĂŒmmten Raum folgen wĂŒrde. Nur durch die zusĂ€tzliche KrĂŒmmung der Zeit können die je nach Geschwindigkeit verschiedenen Trajektorien zustande kommen. Im Rahmen der ART kann dies auch mathematisch gezeigt werden.

Im normalen, dreidimensionalen Raum ist nur die Projektion der Weltlinien auf die Bewegungsebene sichtbar. Hat der Körper die Geschwindigkeit v {\displaystyle v} , so ist die Weltlinie gegenĂŒber der Zeitachse geneigt, und zwar um den Winkel α mit tan ⁥ ⁥ α α = v / c {\displaystyle \tan \alpha =v/c} . Die Projektion der Bahn wird mit steigendem v {\displaystyle v} um den Faktor 1 / sin ⁥ ⁥ α α {\displaystyle 1/\sin \alpha } lĂ€nger, der KrĂŒmmungsradius um den gleichen Faktor 1 / sin ⁥ ⁥ α α {\displaystyle 1/\sin \alpha } grĂ¶ĂŸer, die WinkelĂ€nderung also kleiner. Die KrĂŒmmung (WinkelĂ€nderung pro LĂ€ngenabschnitt) ist daher um den Faktor sin 2 ⁥ ⁥ α α {\displaystyle \sin ^{2}\alpha } kleiner.

Mit

sin ⁥ ⁥ α α = v c 1 1 + v 2 c 2 {\displaystyle \sin \alpha ={\frac {v}{c}}{\frac {1}{\sqrt {1+{\frac {v^{2}}{c^{2}}}}}}}

folgt dann aus der WeltlinienkrĂŒmmung g / c 2 {\displaystyle g/c^{2}} fĂŒr die beobachtete BahnkrĂŒmmung Îș Îș = 1 / R {\displaystyle \kappa =1/R} im dreidimensionalen Raum

Îș Îș = g v 2 ⋅ ⋅ ( 1 + v 2 c 2 ) {\displaystyle \kappa ={\frac {g}{v^{2}}}\cdot \left(1+{\frac {v^{2}}{c^{2}}}\right)} .

RaumkrĂŒmmung und Zentrifugalbeschleunigung

FĂŒr kleine Geschwindigkeiten vâ‰Șc ist die BahnkrĂŒmmung g/v2 und entspricht damit dem Wert bei einer klassischen Zentrifugalbeschleunigung. FĂŒr Lichtstrahlen mit v=c hat der Faktor (1 + v2/c2) den Wert 2, die KrĂŒmmung 2g/c2 entspricht also dem doppelten Wert der klassischen Betrachtung g/c2. Die Winkelabweichung von Sternenlicht der Fixsterne in SonnennĂ€he sollte also doppelt so groß sein wie im klassischen Fall. Dies wurde von Arthur Eddington im Rahmen einer Afrikaexpedition zur Beobachtung der Sonnenfinsternis von 1919 erstmals verifiziert, was große Aufmerksamkeit fand und zur Durchsetzung der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie wesentlich beitrug. Seine Beobachtungen erwiesen sich in spĂ€teren Analysen zwar als ungenau, nachfolgende Beobachtungen bei Sonnenfinsternissen bestĂ€tigten aber die Vorhersagen der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie.

Wegen dieser kleinen Abweichung vom klassischen Wert sind (ungestörte) Planetenbahnen auch keine exakten Ellipsen, sondern unterliegen einer Apsidendrehung. Eine solche bis dahin in der Himmelsmechanik nicht erklÀrbare Apsidendrehung war zuvor beim Planeten Merkur beobachtet worden und fand durch die Allgemeine RelativitÀtstheorie eine ErklÀrung.

Symmetrien

Die Raumzeit ist charakterisiert durch eine Anzahl von Symmetrien, die sehr wichtig fĂŒr die darin geltende Physik sind. Zu diesen Symmetrien zĂ€hlen neben den Symmetrien des Raumes (Translation, Rotation) auch die Symmetrien unter Lorentztransformationen (Wechsel zwischen Bezugssystemen verschiedener Geschwindigkeit). Letzteres stellt das RelativitĂ€tsprinzip sicher.

Literatur

‱ George F. R. Ellis, Ruth M. Williams: Flat and curved space-times. Oxford University Press, Oxford 1992, ISBN 0-19-851164-7.
‱ Erwin Schrödinger: Space-time structure. Cambridge University Press, Cambridge 1950, deutsch: Die Struktur der Raum-Zeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-02282-3.
‱ Edwin F. Taylor, John Archibald Wheeler: Spacetime physics. Freeman, San Francisco 1966, ISBN 0-7167-0336-X, deutsch: Physik der Raumzeit. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-86025-123-6.
‱ Rainer Oloff: Geometrie der Raumzeit. Vieweg, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8348-0468-6.
‱ Abhay Ashtekar: Springer handbook of spacetime. Springer, Berlin 2014, ISBN 978-3-642-41991-1.

Philosophische BĂŒcher:

‱ Paul Davies: Die Unsterblichkeit der Zeit. Die moderne Physik zwischen RationalitĂ€t und Gott. Scherz, MĂŒnchen 1995, ISBN 3502131430 (Original: About Time – Einstein’s unfinished revolution. Simon and Schuster, 1995).
‱ Robert DiSalle: Understanding space-time: the philosophical development of physics from Newton to Einstein. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-85790-1.
‱ Ulrich Majer: Semantical aspects of spacetime theories. BI Wissenschaftsverlag, Mannheim 1994, ISBN 3-411-16161-2.
‱ Ulrich Majer, Heinz-JĂŒrgen Schmidt: Reflections on Spacetime. Foundations, Philosophy, History. Springer Netherlands, Dordrecht 1995, ISBN 978-0-7923-3712-6.
‱ Moritz Schlick: Raum und Zeit in der gegenwĂ€rtigen Physik. Springer, Berlin 1922, doi:10.1007/BF02448303.
‱ Lawrence Sklar: Space, Time, and Spacetime. University of California Press, 1977.

Weblinks

Wiktionary: Raumzeit

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur von und ĂŒber Raumzeit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Albert Einstein Archives der HebrĂ€ischen UniversitĂ€t Jerusalem
‱ From the Greeks to Gravity Probe B auf Stanford-UniversitĂ€t Kalifornien

Einzelnachweise und Fußnoten

cite-note-11. ↑ Albert Einstein: Über die spezielle und die allgemeine RelativitĂ€tstheorie, §17. Minkowskis vierdimensionaler Raum.
cite-note-22. ↑ Roger Penrose: The Road to Reality. Vintage Books, London, 2005, ISBN 978-0-099-44068-0.
cite-note-33. ↑ Vladimir Igorevič ArnolÊčd: Mathematical Methods of Classical Mechanics, Second edition, Springer 1989, ISBN 978-1-4419-3087-3.
cite-note-44. ↑ siehe z. B.: Walter Greiner, Johann Rafelski: Spezielle RelativitĂ€tstheorie, 3. Auflage, Frankfurt 1992, ISBN 3-8171-1205-X, S. 136–185.